Stellen wir uns der Diskussion

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Seit 1984 haben Frauen mit grossem Einsatz viel erreicht, beispielsweise politische Rechte, Gleichheitsartikel in der Verfassung, bessere Berufsbildung. Die Vertretung der Frauen in Politik und Wirtschaft ist jedoch beschämend tief.

Dies erhärtet das Bild, dass Frauen im beruflichen und politischen Geschehen offenbar nur eine Nebenrolle spielen. Eine Umfrage des «Vaterlands» bestätigt die Existenz einer latenten Frauenfeindlichkeit. Über 54 Prozent finden es offenbar normal, wenn das Volk vor allem von Männern vertreten wird.

Immer noch eine Rolle mag spielen, dass die genannten Errungenschaften sehr spät eingeführt wurden: Mädchen wurden erst ab 1968 zum Gymnasium zugelassen, politische Rechte erhielten die Frauen erst 1984 und der Artikel für gleiche Rechte kam zwar 1992 in die Verfassung, wurde aber erst 1996 durchsetzbar.

Es gab und gibt noch immer starke konservative Kreise, die fast alle Fortschritte in Liechtenstein so lange verhinderten, bis sich Veränderungen durch Druck vom Ausland (z. B. Europarat, EWR-Gesetze etc.) nicht mehr aufhalten liessen. Reagiert Liechtenstein nur auf Druck von aussen und agiert nicht aus politischer Einsicht?

Die Wahlchancen für Frauen scheinen grösser zu sein, wenn Frauen Berufe in Wirtschaftsnähe ausüben (z. B. Juristin, Treuhänderin). Gesamtgesellschaftliche Anliegen wie Bildung, Berufswiedereinstieg, Kinderbetreuung, Altersvorsorge, Kampf gegen häusliche Gewalt etc. werden kaum wahrgenommen oder unzureichend honoriert und gelten als sogenannte Frauenthemen. Man hat den Eindruck, dass in Liechtenstein alles dem wirtschaftlichen Erfolg untergeordnet wird. Soziales Engagement oder soziale Berufe sind unterbewertet und werden generell schlechter bezahlt. Ähnlich ergeht es den Kandidatinnen - sie werden als weniger kompetent wahrgenommen. Wäre es nicht Sache der Politik, hier gegenzusteuern?

Das Gerücht «Frauen wählen Frauen nicht» haben die Wahlanalysen längst widerlegt. Es wird aber hartnäckig wiederholt und damit den Frauen die Schuld in die Schuhe geschoben. Es ist erwiesen, dass die Frauen frauenfreundlicher als die Männer wählen. Nachwahlbefragungen haben mehrmals ergeben, dass Frauen durchaus Frauen wählen, aber die Männer nicht streichen.

Nach jeder Wahl geht immer wieder das gleiche Gejammer los, zu wenig Frauen im Landtag oder in den Gemeinderäten. Ein konsequentes Engagement zur Vermeidung dieses Missstandes gibt es nicht. Quoten sollen nicht einmal diskutiert werden. Dabei kennt unser Wahlsystem seit langem Quoten; Proporz und 10 reservierte Landtagssitze fürs Unter- und 15 fürs Oberland. Auch dass 2 Regierungsräte aus dem Unterland und 3 aus dem Oberland stammen müssen, ist ganz klar eine Quote. Und um den Frauenanteil der Bevölkerung im Landtag adäquat zu vertreten, sollen Quoten nicht zulässig sein? Hier wird plötzlich von Alibifrauen gesprochen!

Wir plädieren für eine Bestimmung, die sicherstellt, dass kein Geschlecht mit weniger als 40 Prozent im Landtag vertreten sein darf, und für eine Vereinbarung zwischen allen Parteien, gleich viele Frauen wie Männer für die Wahlen zu no- minieren.

Eine Stellungnahme des Vorstandes der Frauen in guter Verfassung

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