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Massnahmen statt guter Ratschläge und frommer Wünsche

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Im Editorial der Zeitschrift Unternehmer erteilt Arnold Matt den Frauen gute Ratschläge, zwar wohlwollend, aber doch sehr paternalistisch. Er ist überzeugt zu wissen, wie es geht. Zuerst ermuntert er die Frauen aufzustehen und sich zu wehren und betont gleichzeitig - «aber nicht mit einer Quote!“.

Er stellt fest, dass immer mehr Frauen eine gute Ausbildung haben und sie jetzt «nur noch angeleitet werden müssen, die erforderlichen Studienrichtungen zu wählen». Er weiss natürlich auch welche. Abgesehen von der anmassenden Haltung, die in dieser Aussage steckt, verkennt Herr Matt, dass es hier aber nicht nur um Karrieremöglichkeiten der Frauen in Wirtschaft und Politik, sondern grundsätzlich um die angemessene Vertretung der Geschlechter auf allen Ebenen geht. Dies schliesst die Männer mit ein, wobei es hier primär um Chancengleichheit in der Familie und bei sozialen Aufgaben geht.

Wie zahlreiche Männer und Frauen glaubt offenbar auch Herr Matt, dass die Gleichstellung der Frauen erreicht ist. Die historischen systematischen Behinderungen von Frauen und deren nachhaltigen Folgen kennt er offenbar zu wenig, berücksichtigt sie jedenfalls nicht.

Früher wurden Mädchen überhaupt nicht zu Schule und Bildung zugelassen, später verbot man den Frauen das Studium, d.h. man verwehrte ihnen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Zugang zu den Universitäten. Frauen hatten den Status unmündiger Kinder, sie standen unter der Obhut des Vaters, später des Gatten. Verheiratete Frauen durften nur mit Zustimmung ihres Ehemanns berufstätig sein oder Verträge abschliessen.

Das war tatsächlich noch bis vor 21 Jahren so. Dass es selbstverständlich viele Männer gab, die ihre Rechte nicht durchsetzten, spielt keine Rolle, denn wer es wollte, hatte durch die Gesetze die Macht dazu. Niedrige Löhne erschwerten den Frauen sich zu emanzipieren und ökonomisch unabhängig zu werden. Es galt bis weit in die 60er Jahre, „der höchste Frauenlohn darf nicht höher als der niedrigste Männerlohn“ sein.

Erst 1984 gewährten die Liechtensteinischen Männer den Frauen politische Rechte und erst 1996 waren gleiche Rechte gerichtlich durchsetzbar.

Als 1997 die Ehepaar-Renten in je eine Einzelrente für Mann und Frau überführt und auch einzeln ausbezahlt wurde, schellte bei der AHV häufig das Telefon. Aufgebrachte Ehemänner verlangten, dass die ganze Rente wieder an sie ausbezahlt werde, einzelne sehr erboste gingen sogar mit der Forderung: “Sofort rückgängig machen!“, persönlich vorbei.

Die damalige Gesellschaft hat also Frauen mit Gesetzen und Konventionen eingeschränkt und klein gehalten. Es ziemte sich noch in den 70erJahren für eine anständige Frau nicht, allein in ein Restaurant zu gehen, und das Frauenstimmrecht zu fordern, galt als unanständig.

Es ist anzunehmen, dass auch heute noch viele Männer nicht freiwillig auf ihre männlichen Privilegien verzichten wollen. Es ist doch klar, wenn mehr Frauen höhere Positionen in Wirtschaft und Politik, erreichen, erhöht sich die Konkurrenz bei den Führungspositionen.

Leider gibt es in unserer patriarchalen Gesellschaft noch immer viele Vorurteile und es existiert eine latente und zum Teil auch offene Frauenfeindlichkeit. Zudem wirken die tieferen Löhne der Frauen für gleichwertige Arbeit, ihre geringeren Aufstiegschancen aufgrund ihrer potentiellen Mutterschaft, fehlende Teilzeitstellen in Führungspositionen, fehlende finanzierbare ausserhäusliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie der zahnlose unbezahlte Elternurlaub weiterhin diskriminierend für Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Hier muss der Hebel angesetzt werden.

Um für die Frauen gleiche Chancen zu erreichen, helfen gut gemeinte Tipps wenig. Es braucht griffige Massnahmen, Quoten sind eine solche.

Vorstand des Vereins Frauen in guter Verfassung

 

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